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15.10.2021 um 16:00 Uhr

 Ironman European Championships am 15.08.2021 in Frankfurt

Das erste Abenteuer Ironman / Langdistanz für Kevin Antoni vom ETSV Lauda

Was fasziniert Menschen an der erfolgreichen Bewältigung einer Triathlon-Langdistanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen? Ist es  die Herausforderung diese Distanz zu bewältigen selbst? Oder wächst die Faszination in Folge von jahrelangem Ausdauertraining?

Auf jeden Fall sind eine gute über Jahre aufgebaute Ausdauerfähigkeit und die gezielte Vorbereitung von mindestens einem Jahr mit konsequentem, umfangreichem sowie zielgerichtetem Training und der Bewältigung unzähligen Herausforderungen im Alltag die Grundlage für eine erfolgreiche Bewältigung dieser Distanzen an einem Stück.

Der 29-jährige Kevin Antoni aus Tauberbischofsheim stellte sich der Herausforderung Langdistanz mit erfolgreichem Finish bei den Ironman European Championships 2021 in Frankfurt.

Inspiriert und faszini ert von dieser Sportart wurden er und seine Schwester durch die erfolgreichen Triathleten aus der Heimat: Heidi Sessner (geb. Jessberger) und Norman Stadler. Später lernte man die aktuellen Stars, wie Jan Frodeno und Sebastian Kienle, auf Triathlons kennen und traf sie bei gemeinsamen Wettkämpfen.

Nach erfolgreicher Zeit in der Jugend, über entsprechend kürzere Distanzen, unter anderem mit dem Gewinn der Baden-Württembergischen Meisterschaft und diversen erfolgreichen Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften folgten Jahre mit Starts in der 2. Triathlon-Bundesliga und auch Teilnahmen an größeren und kleineren Triathlonveranstaltungen sowie Deutschen Meisterschaften.

Vor 3 Jahren entschloss sich Kevin Antoni, seinen Schwerpunkt auf längere Distanzen zu setzen und sich auf seinen Traum, der Qualifikation und Teilnahme am Ironman Hawaii, zu konzentrieren. Das Training veränderte sich seitdem im Hinblick auf längere und ruhigere Einheiten, um die allgemeine Ausdauerfähigkeit zu verbessern, sowie weniger Schwimmeinheiten, da der zeitliche Anteil der Disziplinen bei der Langdistanz eher auf dem Radfahren und dem Laufen liegt. Es folgten im Jahr 2019 die ersten Halbdistanzwettkämpfe, u. a. auch die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Heilbronn mit einem 14. Platz in der AK 2 und dem Ironman-Switzerland 70.3 in Rapperswil.

Im Herbst 2019 reifte der Entschluss die erste Langdistanz in Angriff zu nehmen. Als passenden Wettkampf entschied er sich auf Grund der Nähe zur Heimat für den Ironman Frankfurt, welcher gleichzeitig als Europameisterschaft über die Ironman Langdistanz gewertet wird. Akribisch und mit eiserner Disziplin bereitete er sich auf diesen bisherigen Höhepunkt seiner Sportlerkarriere vor. Im Winter folgten unzählige Stunden auf dem heimischen Rad-Rollentrainer, dazu Laufen und Schwimmen in Bad Mergentheim und Würzburg. 15-25 Stunden Training pro Woche, verteilt auf manchmal 2 Trainingseinheiten am Tag, spulte er herunter. Dazu kamen noch Vorbereitungs- und Fahrtzeiten. All das in eine 42-Stunden-Arbeitswoche zu integrieren und auch noch ein wenig Zeit für „Privatleben“ und ausreichende Erholung zu haben, stellte bereits die erste Herausforderung in der Ironman-Vorbereitung dar. Zumal so viel Einsatz und Aufwand nicht Alle nachvollziehen konnten, wusste der junge Athlet zu berichten.

Die ersten Monate vergingen, die Form stieg, erste Trainingslager waren absolviert und dann beendete im März 2020 die Corona-Pandemie zunächst alle Pläne. Gesperrte Schwimmhallen, nicht mehr durchführbare Trainingslager, ausgefallene Vorbereitungswettkämpfe und schlussendlich die Absage der Veranstaltung in Frankfurt.

Kaum war die erste Enttäuschung überwunden, das Training und die erneute Vorbereitung für das Jahr 2021 gestartet, beendet der erneute Lockdown wieder die gezielte Vorbereitung. Antoni setzte sein Training dennoch fort, statt Schwimmen im Wasser gab es nun Zugseilübungen an Land. 7 Monate sollte dieser wasserlose Zustand andauern.

Bis Pfingsten war nicht klar, ob der Ironman in Frankfurt überhaupt sattfinden kann. Schließlich wurde der Wettkampf vom Juni in den August verschoben. Wieder musste neu geplant werden: „Jetzt habe ich so lange und so viel trainiert, dann starte ich auch“ war seine Reaktion auf die neue Situation. Sobald es die Witterung zuließ, schwamm Kevin Antoni mit wärmenden Neoprenanzug bekleidet in kalten Badeseen, um wenigstens mal wieder im Wasser zu schwimmen.

Noch etwas mehr als 2 Monate bis zum „längsten Tag im Leben“, wie ein Ironman oft bezeichnet wird. Das Wetter wurde langsam etwas besser für die manchmal 5-stündigen Trainingseinheiten auf dem Rad. Endlich öffnete auch das Freibad und gab ihm die Möglichkeit, seine Schwimmform wieder aufzubauen und den Trainingsrückstand auf manch einen seiner Konkurrenten, die während des Lockdowns trotzdem in ihren Vereinen im Wasser trainieren konnten, aufzuholen. Es folgten „Wettkämpfe gegen die Uhr“, um die Form zu überprüfen. Mit der Vorfreude wuchs auch die Nervosität und der Respekt vor dieser riesigen Distanz.

Nur noch eine Woche bis zum Tag X, das Training wird reduziert, um ausgeruht an den Start zu gehen, das Material überprüft und zusammengestellt, die Wettkampfinformationen und Streckenpläne werden studiert, die Corona-Hygiene-Regeln verinnerlicht. „Habe ich genug und auch das Richtige trainiert? Was ist das richtige Tempo in den einzelnen Disziplinen, was esse und trinke ich wann? Was mache ich, wenn usw.“ waren die Gedanken, die Kevin Antoni in den Tagen vor seinem großen Tag durch den Kopf gingen. Gerade die Ernährung während des Wettkampfes ist wichtig, da es bei dieser Ausdauerbelastung darum geht, dem Körper die benötigte Energie über Essen und Trinken zuzuführen, da die körpereigenen Reserven, welche für eine so lange Belastung gar nicht ausreichen würden, geschont werden sollen, um beim abschließenden Laufen möglichst lange ein hohes Tempo halten zu können.

Damit der Wettkampf überhaupt stattfinden konnte, musste der Veranstalter strenge Hygieneregeln einführen. Diese Maßnahmen zogen sich durch die gesamte Veranstaltung und hatten sowohl für die Athleten/-innen als auch für Betreuer/-innen und Zuschauer/-innen Auswirkungen. Jedoch waren alle froh, dass es endlich mit der Durchführung des Triathlons auch wieder ein Stück Normalität gab.

Da der Wettkampf bereits am frühen Morgen um 6:30 Uhr mit dem Schwimmen im Langener Waldsee startet, wurden die Fahrräder in engen Zeitfenstern, um Ansammlungen zu vermeiden, schon am Vortag in der Wechselzone „eingecheckt“, wie die Triathleten sagen. Die Athleten deponieren dabei ihr Rad, Radschuhe, Helm, Laufschuhe usw. am eigens für jeden vorgesehenen Platz. Nun hieß für alle Teilnehmer/-innen den Rest des Tages Kraft zu tanken und die Energievorräte zu füllen.

Nach einer gefühlt kurzen Nacht begann der „längste Tag“ um 4:00 Uhr morgens mit einem kleinen Frühstück und der Anfahrt zum Schwimmstart am Langener Waldsee. Noch einmal kurz ans Fahrrad, alles überprüfen und dann mussten sich die Sportler/-innen schon mit FFP2-Masken im abgesperrten Startbereich am Ufer aufstellen und auf ihren Start warten. Dieser erfolgte als „Rolling Start“, d.h. alle 5 Sekunden stürzten sich 6 Schwimmer in den See. Für Kevin Antoni lief das Schwimmen, trotz der widrigen Vorbereitungszeit erstaunlich gut. Mit der 2.-besten Schwimmzeit in seiner Altersklasse (25-29 Jahre) und der insgesamt 32. Zeit aller 1.200 Athleten/-innen und 40 Profis kam er in 53:55 Minuten nach 3,8 km aus dem Wasser. Schnell Helm und Startnummer schnappen, einen Energieriegel essen und schon ging es auf den Radkurs durch und um Frankfurt.

Nach den ersten flachen 20 km Richtung Frankfurter Innenstadt begann eine anspruchsvolle 2 x zu fahrende Runde in Richtung Osten, vorbei an Schöneck und Niederau bevor es in Altenstadt wieder Richtung Frankfurter Römer ging. Neben engen Kurven und teils sogar Kopfsteinpflaster galt es etliche Steigungen mit insgesamt 1.600 Höhenmeter auf dem 184 km langen Radkurs zu überwinden. Um noch genug Reserven für den abschließenden Marathonlauf zu haben, hielt sich Antoni konsequent an seinen Plan und fuhr sein vorab festgelegtes Tempo. „Manchmal ertappte ich mich schon bei dem Gedanken schneller zu fahren, wenn Konkurrenten an mir vorbeizogen“, gab Antoni zu. Doch er ließ sich nicht verleiten und beendete das Radfahren mit einem guten Radschnitt von 35 km/h nach 5:15 Stunden.

Ab in die 2. Wechselzone am Mainufer vor der atemberaubenden Frankfurter Skyline, raus aus den Radschuhen, rein in die Laufschuhe. Nun folgten 42,2 Kilometer Laufen, verteilt auf 4 Runden entlang des Mains und 8 x über die Frankfurter Mainbrücken. Mit der Sonne stiegen auch die Temperaturen. Über 6 Stunden lagen bereits hinter Kevin Antoni. Viel trinken und ausreichend energiereiche Nahrung zu sich zu nehmen und dabei das Tempo nicht überziehen lautete das Motto.

Bis zur dritten Laufrunde ging sein Plan voll auf, dann kam der berühmte „Mann mit dem Hammer“. Der mittlerweile ausgelaugte Körper wollte keine Nahrung mehr aufnehmen, dann dauerte es nicht mehr lange bis auch die Beine nicht mehr wollten - die Schritte wurden kürzer. Geh- oder Stehpausen waren jedoch keine Option und so lief er einfach weiter. Angefeuert durch die sich am Mainufer doch in ordentlicher Zahl versammelten Zuschauer und Zuschauerinnen kämpfte er sich über die gefühlt immer länger werdenden letzten Kilometer.

Erleichterung und auch Gänsehaut waren angesagt, als er am Ende der 4. Laufrunde auf den roten Teppich abbiegen durfte, der vor einer großen Zuschauertribüne am Frankfurter Römer endete. Laute Musik und noch lautere Zuschauer/-innen trugen ihn ins Ziel. Beim Überschreiten der Finishline begrüßte ihn der Sprecher mit den Worten: „Kevin, you are an Ironman“. Nach 9:49:41 Stunden ging für Kevin Antoni der „längste Tag“ in seinem Leben zu Ende.

Glücklich, seinen ersten Ironman mit einer guten Zeit und einer guten Platzierung, als 10. in seiner Altersklasse, gefinished zu haben, brauchte Kevin Antoni nicht lange, um sich mit noch schmerzenden Beinen zu entscheiden: „Das war nicht mein letzter Ironman!“.

Bericht und Bilder: ETSV Lauda

(Rechteinhaber Bilder: Thomas Hofmann)